Sustainable Innovation - Handlungsfelder für ein nachhaltiges Innovationsmanagement

Günther Schuh, Christian Dölle und Christina Ruschitzka

Zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit ist es für produzierende Unternehmen essenziell, kontinuierlich innovative Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Unternehmen begegnen dabei jedoch den Herausforderungen eines dynamischen und komplexen Unternehmensumfelds. Darüber hinaus steigt die Relevanz der Nachhaltigkeit für die produzierende Industrie kontinuierlich an. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags „Sustainable Innovation“ werden Handlungsfelder und Prinzipien des Innovationsmanagements beschrieben, die Unternehmen dazu befähigen, nachhaltig Werte zu schaffen.

In den vergangenen Jahren haben sich die Rahmenbedingungen des Wettbewerbsumfelds der produzierenden Industrie signifikant verändert. Das heutige Innovationsmanagement wird dabei insbesondere von der sogenannten VUCA-Welt geprägt, welche durch eine hohe Volatilität, Komplexität, Ungewissheit und Ambiguität gekennzeichnet ist [1]. Die Corona-Krise hat diese Ausgangssituation weiter verschärft.
Hinzu kommt, dass Technologien in stetig kürzer werdenden Zyklen zu entwickeln und Produkte schneller auf den Markt zu bringen sind. Spezifische Kundenanforderungen sind zu Beginn des Entwicklungsprozesses noch unklar und unterliegen schnellen Veränderungen [1]. Die Globalisierung und die dezentrale Produktion sowie eine Mikrosegmentierung der Märkte verstärken die Komplexität für Unternehmen. Im Zuge der Digitalisierung entstehen weitere Herausforderungen, da beispielsweise Erfahrungen im Umgang mit großen und sich schnell ändernden Datenmengen fehlen [2, 3]. Begleitet wird dieser Wandel durch die zunehmende Bedeutung eines nachhaltigen Handelns. Dabei gilt es, neben ökonomischen auch ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen [4]. Um die Existenz sowie die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens langfristig zu sichern, gilt es, ein nachhaltiges Innovationsmanagement zu etablieren. Vor dem Hintergrund der beschriebenen Herausforderungen wird im Folgenden auf die Weiterentwicklungen innerhalb des Innovationsmanagements eingegangen und der Sustainable-Innovation-Ansatz als methodische Unterstützung mit relevanten Handlungsfeldern vorgestellt.

Innovationsmanagement im Wandel

Für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ist die kontinuierliche Entwicklung und Realisierung von neuen Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen der Schlüssel zum Erfolg. Diese tragen zur Weiterentwicklung des Unternehmens und Sicherung der Marktposition bei [5]. Der Kern des Innovationsmanagements besteht darin, produzierende Unternehmen mit einem systematischen Vorgehen zu befähigen, Ideen in erfolgreiche Produkte zu überführen und diese am Markt zu etablieren [6, 7].
 
Mit den sich verändernden Herausforderungen entwickeln sich auch die Ansätze des Innovationsmanagements weiter [6]. Für eine effiziente und effektive Entwicklung einer Produktidee bis zum marktreifen Produkt, entstand der Lean-Innovation-Ansatz. Dieser reagierte auf die veränderten Marktbedingungen und Ressourcenknappheit mit der Übertragung der Grundprinzipien des Lean Thinking auf das Innovationsmanagement [3, 8].
Dabei werden konsequent der Kundennutzen fokussiert und jegliche Verschwendung entlang des Wertstroms eliminiert. Die fünf Grundprinzipien des Lean Thinking umfassen demnach den Kundenwert, den Wertstrom, den Fluss, die Pull-Steuerung und die Perfektion [7]. Die Innovationsproduktivität produzierender Unternehmen soll durch die Vermeidung von Verschwendung gesteigert werden. Zu vermeidende Beispiele im Innovationsmanagement können eine mangelnde Kundenorientierung, unzureichende Standards, ungenutzte Ressourcen, ein unterbrochener Wertstrom oder nicht adressierte Skaleneffekte sein [7, 9].


Bild 1: Handlungsfelder und Prinzipien von Sustainable Innovation [3].

Chancen der Nachhaltigkeit

Neben den benannten VUCA-Rahmenbedingungen ist die Relevanz der Nachhaltigkeit für die produzierende Industrie stetig gestiegen. Der Einfluss wirkt sich insbesondere auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens aus [4]. Nachhaltigkeit wird nach Souren als Entwicklung definiert, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre Bedürfnisse zu befriedigen“ [10, 11]. Aufbauend auf dieser Definition lassen sich drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ableiten. Es gilt ökologische, ökonomische und soziale Fragestellungen gleichermaßen zu adressieren [10]. Die besondere Bedeutung des Themas für das Innovationsmanagement zeigt sich unter anderem in den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UNO), welche mit dem Punkt „Industries, Innovation & Infrastructure“ eine nachhaltige Entwicklung fokussieren. [12]
  Das Innovationsmanagement kann einen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit leisten, indem bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Voraussetzungen für einen optimalen Ressourceneinsatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette geschaffen werden. Dabei können neue Technologien unterstützen, eine ökologische Entwicklung, Produktion, Nutzung und Verwertung von Produkten umzusetzen [3]. Eine zielgerichtete Steuerung der Variantenvielfalt führt dazu, die Entwicklung und Produktion unnötiger Produktvarianten zu unterbinden. Industrie 4.0-Lösungen verhelfen ebenfalls zu einer ökologischen Entwicklung von Innovationen, indem diese dazu befähigen, den Produktlebenszyklus datenbasiert zu analysieren sowie diesen gezielt durch Produkt- und Softwareupdates zu verlängern [12]. Ebenso führt die frühzeitige Validierung mittels Prototypen zu einer ökologischen und ressourcenschonenden Entwicklung von Innovationen [14].
 
Vor dem Hinblick der ökonomischen Nachhaltigkeit kann ein systematisches Innovationsmanagement zur Schaffung einer erfolgreichen und langfristigen Wettbewerbspositionierung verhelfen. Durch eine leistungsbezogene Produktdifferenzierung wird die entsprechende Innovationshöhe ersichtlich und die Akzeptanz am Markt steigt. Bereits in der Entwicklung können Produktionskosten aktiv durch ein gezieltes Variantenmanagement gesteuert werden. Daten- und leistungsbezogene Geschäftsmodelle verhelfen zu einer langfristigen Kundenbindung mit kontinuierlichen Leistungsströmen, welche ein datenbasiertes Lernen und eine frühzeitige Reaktion auf sich verändernde Kundenbedürfnisse unterstützt. Dies wiederum befähigt zu einer Verkürzung der Entwicklungsdauer bei gleichzeitiger Steigerung der Erfüllung des Kundenwunsches [3, 15].
 
Das Innovationsmanagement beeinflusst darüber hinaus auch die soziale Nachhaltigkeit, indem Mitarbeitende oder Kunden aktiv in den Prozess involviert werden. Angepasste Arbeitsweisen, disziplinübergreifende Kollaboration und eine Innovationskultur unterstützen soziale Strukturen im Innovationsprozess [3]. Die benannte Transparenz über den gesamten Produktlebenszyklus verhilft auch sozial kritische Aspekte wie Kinderarbeit zu identifizieren und im Rahmen von Innovationen zu adressieren. Im Vergleich zur Social Innovation, welche Ideen zur Bewältigung sozialer Herausforderungen fokussiert [16], ist die kritische Reflektion aller Produkt-, Prozess- oder Geschäftsmodellinnovationen hinsichtlich sozialer Aspekte gemeint.

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